Denkanstoss - Die Zukunft der Medienwelt


Denkanstoss - Die Zukunft der Medienwelt

Naëmi Rickenmann

Die Medienwelt befindet sich im Umbruch. Die Digitalisierung verändert nicht nur die Art, wie wir Medien konsumieren, sondern auch deren Produktion. Wir haben zwei Experten gefragt, wie unsere Medienwelt in 10 Jahren aussehen wird und wo die wichtigsten Aufgaben der Medien liegen. 

 Felix Schneuwly ist als Head of Public Affairs bei comparis.ch tätig. 

 Michael Wiederstein ist Chefredaktor beim Autorenmagazin Schweizer Monat

 

Zukunft der Medienwelt - Wie wird unsere Medienwelt in 10 Jahren aussehen?
Felix Schneuwly: Die Digitalisierung wird unsere Medienwelt noch radikaler verändern als sie es bis jetzt getan hat. Die Grenzen zwischen professioneller Produktion mit Journalisten sowie PR-Fachleuten der Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft auf der einen und dem Publikum, welches die Inhalte konsumiert, lobt oder kritisiert, auf der anderen Seite verschmelzen und schaffen Raum für mehr Dialog in der virtuellen und realen Welt. Am Dialog in der virtuellen Welt werden sich auch Bots beteiligen. Unterschiedliche Algorithmen werden noch mehr bestimmen, wer auf welcher Plattform welche Inhalte sieht. Nachfrage nach journalistischen Leistungen und  Zahlungsbereitschaft werden wieder steigen, weil mündige Bürger den Wert der Medien als vierte Gewalt und Lieferant von überprüften Tatsachen und einordnenden Meinungen als Dialogbasis wieder erkennen.

Michael Wiederstein: Viele kleine, neue Medienanbieter (Print und Online, bei letzterem verstärkt auch TV und Radio) wetteifern mit einem nationalen Oligopol um die Aufmerksamkeit seitens der Medienkonsumenten, dabei werden sie von konkurrierenden internationalen Publikationen aufgrund der mit dem technischen Fortschritt gefallenen Übersetzungshürden (Übersetzungsgadgets usw.) an einer neuen Marktfront angegriffen. Es wird einerseits eine Rückkehr der hiesigen Parteiorgane geben, der Filz zwischen öffentlichen und privaten Medien wird auch jenseits der Werbevermarktung enger werden, was andererseits wahrscheinlich auch die Existenz von mehr (und wohl kleineren) Medien, die diesen Organen auf die Finger klopfen und Kapital vornehmlich aus ihrer Unabhängigkeit ziehen, rechtfertigt. Der schrumpfende Werbemarkt in den klassischen Medien wird (notgedrungen; gerade für Kleinpublikationen) diese Entwicklung beschleunigen. Kurzum: das Mediensystem wird sich stark verändern. Es ist aber davon auszugehen, dass die neuen Kanäle auch neue Möglichkeiten und Jobprofile bieten. Der Wert des Journalismus als Vierte Gewalt im Staat wird steigen. 

 
Worin sehen Sie die wichtigste Aufgabe der Medien?
Felix Schneuwly: Medien sind in einem demokratischen Rechtsstaat als vierte Gewalt überlebenswichtig. Sie bewegen sich im Spannungsfeld der divergierenden Interessen und können nur in einer wettbewerblichen Vielfalt als Branche von diesen Partikularinteressen unabhängig sein und Instrumentalisierungsversuchen widerstehen. Monopole und Teilmonopole – auch unter dem Vorwand des Service public - beeinträchtigen diese Vielfalt ebenso wie Versuche, die Bürger durch Regulierung vor objektiv oder bloss vermeintlich falschen Informationen bzw. Manipulation zu schützen. Eine Medienregulierung muss also in erster Linie die Vielfalt und Unabhängigkeit der Medien sicherstellen. In zweiter Linie muss sie den medialen Service public definieren und dafür sorgen, dass alle Medienunternehmen im Wettbewerb um Service-public-Aufträge gleichbehandelt werden.

Michael Wiederstein: In der Kontrolle von politischer und wirtschaftlicher Macht, insbesondere beim Liefern von Hintergrundinformationen in einer (z.T. nur scheinbar) immer komplexeren Welt.